Törn-Bericht: Mit dem Charterboot auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Mecklenburgische Seenplatte

Im Hochsommer waren wir eine Woche lang mit dem Charterboot auf Müritz und Mecklenburgischer Seenplatte unterwegs: Mehr Urlaubsstimmung geht nicht!

Ein Törnbericht von Christian Tiedt (Text & Fotos)

Urlaubszeit! Wenn im Hochsommer die Temperaturen stimmen, verwandelt sich die Müritz im Handumdrehen in Mecklenburgs Mittelmeer: Sonnenlicht, das auf dem Wasser funkelt, laue Abende auf dem Achterdeck und Seen, die zu jeder Zeit zum Baden einladen. Die Mecklenburgischen und Märkischen Gewässer sind nicht zufällig Deutschlands beliebtestes Charterrevier. Wir haben uns mitten in der Hauptsaison ins Getümmel gestürzt und waren begeistert: Mit der Ferienstimmung verhielt es sich genau wie mit dem Thermometer – das stieg und stieg!

Sonnenbaden auf dem Vordeck von Charterboot El Hierro

Blaues Paradies: Mit dem Charterboot auf „Kreuzfahrt“ über die Müritz

Unser „Traumschiff“ übernehmen wir in der Charterbasis von Yachtcharter Römer in Buchholz. Sogar sein Name klingt nach Süden: „El Hierro“, wie die Kanareninsel. Auf den Schwimmstegen der Marina stapeln sich pralle Reisetaschen, daneben drängen sich Bollerwagen dicht an dicht, voll mit Proviant. Besonders wichtig bei dieser Hitze: Getränke! Wer seine Sachen bereits an Bord geschafft hat, kann sich die ersten gleich wieder durch die durstige Kehle rinnen lassen. Strohhüte stehen hoch im Kurs, Eiswürfel sind Gold wert.

Zur gründlichen Übergabe gehört bei Yachtcharter Römer auch eine kurze Einweisungsfahrt mit den wichtigsten Manövern. Ab- und Anlegen sind mit Bug- und Heckstrahlruder aber selbst bei 12,65 m Länge kein Problem. Bequem lässt sich der Stahlverdränger – eine edle Aquanaut Privilege 1250 AK – in (fast) jeden gewünschten Winkel bewegen.

Leinen los! Gemächlich geht es unter stahlblauem Himmel nach Nordosten, hinauf auf den Müritzsee und vorbei an den ersten Ankerliegern. Überall wird gebadet; Tubes, Luftmatratzten und Paddelboote wimmeln auf der Bucht am westlichen Ufer durcheinander. Der Tonnenstrich auf dem See sollte unbedingt eingehalten werden, da es besonders östlich davon schnell sehr flach wird.

Über den langgezogenen Müritzarm kommen wir zur Straßenbrücke bei Vipperow. Ihre Durchfahrt bietet nur Platz für ein Boot, und da sie zudem nur schlecht eingesehen werden kann, sollte man sich behutsam annähern. Hinter der Brücke öffnet sich die kleine Müritz mit ihrer „Wasserstraßenkreuzung“: Geradeaus geht es nach Rechlin, rechts Richtung Mirow und Kleinseenplatte. Da wollen wir zwar auch noch hin; zunächst drehen wir aber nach links, wo man zwischen Schilfufern schon bald die Durchfahrt zur offenen Müritz erkennt.

Dass hier viel Verkehr unterwegs ist, überrascht kaum. Auch deshalb legt sich hier gerne die Wasserschutzpolizei auf die Lauer, um die Verkehrssünder herauszuwinken: Ein schneller Gleiter mit goldenem Rumpf liegt bereits Längsseits am Streifenboot. Man ahnt, dass es um Geschwindigkeitsübertretung geht. Ob die wilden Gesten des gutgebräunten Skippers die Beamten beeindrucken können?

Müritz! Schnell entzerrt sich unser Bootskorso, während die ersten zum Badestopp ausscheren. So wild sich Deutschlands größter See bei steifem West auch geben mag, heute ist das „kleine Meer“ (denn das bedeutet der slawische Name) pure, sommerliche Unschuld. Nach einer guten Stunde auf Nordkurs ist die rot-weiße Tonne „Müritz Mitte“ erreicht. Sie markiert die sichere Durchfahrt zwischen den beiden, zusätzlich von Kardinalzeichen umschlossenen Untiefen Rodenberg und Rosenberg. Nördlich von Schloss Klink laufen die Ufer am Übergang zur Binnenmüritz dann wieder zusammen.

Die Ansteuerung von Waren erfolgt über das Fahrwasser am östlichen Ende der Binnenmüritz zwischen dem Ufer und dem Warener Berg, einer mit roten Tonnen engefassten Untiefe vor der Stadt. Kurz darauf legen wir unsere Leinen am Gaststeg des Stadthafens über die Klampen. Service: Strom und Wasser am Steg, Fäkalienentsorgung, Kran (7 t), WLAN, Einkaufsmöglichkeiten am Warener Marktplatz (150 m), Restaurants, Tel. 03991-66 67 54.

Etwa 20 Minuten vom Hafen entfernt liegt das „Müritzeum“. Die Ausstellung (erst 2007 eröffnet) bietet einen gelungenen, modernen Mix aus Naturmuseum, Aquarium und Erlebniszentrum und ist absolut sehenswert (Öffnungszeiten: April bis Oktober tägl. 10 bis 19 Uhr, Tel. 03991-63 36 80, www.mueritzeum.de). Der nahe gelegene Müritz-Nationalpark mit seinen tiefen Wäldern kann außerdem von Waren aus mit dem Shuttle-Bus erkundet werden.

Am nächsten Tag wird die Müritz erneut überquert, diesmal in südlicher Richtung. Auf der Kleinen Müritz halten wir uns geradeaus und fahren in die Müritz-Havel-Wasserstraße ein, die die Großen Mecklenburgischen Seen mit der Kleinseenplatte verbindet. Bei MHW-km 22,7 treffen wir auf die Schleuse Mirow, die erste auf unserem Törn.
Unmittelbar hinter der Schleuse biegen wir nach Norden in den Mirower See; früher gab es hier einmal eine weiterführende Verbindung über den Bolter Kanal bis zur Müritz, doch die ist schon lange nicht mehr schiffbar. Im Granzower Möschen nördlich des Mirower Sees ist Schluss.

Mirow selbst bietet zwei Liegemöglichkeiten: Zum einen den schlauchförmigen Wasserwanderrastplatz im Schlossgraben (Service: Strom und Wasser an der Hafenmauer, maximaler Tiefgang 1,20 m, Einkaufsmöglichkeiten an der Schlosstraße (250 m), oder den Steg (mit Boxen) von Bootsservice Rick. Dort, direkt an der Schlossinsel, machen auch wir fest (Service: Strom und Wasser am Steg, Chemietoilettenentsorgung, Bootsservice mit Shop, Grillplatz, Einkaufsmöglichkeiten an der Schlosstraße (350 m) Tel. 039833-205 13.

Mirow markiert nicht nur für uns den Beginn zur Mecklenburgischen Kleinseenplatte; obwohl wir relativ früh wieder unterwegs sind, ist schon wieder viel los auf dem Wasser. Nach einem schnellen Sprung in den noch wunderbar kühlen See, reihen wir uns mit unserem Stahlverdränger wieder in den Konvoi der Hausboote, Kajütboote und Motoryachten ein. So durchfahren wir Zotzensee, Mössensee und Vilzsee, bis wir an der Schleuse Diemitz (MHW-km 13,3) ankommen. Ein gutes Dutzend Boote ist die Schlange vor uns lang, dazwischen versuchen Paddler, den einen oder anderen Platz gut zu machen. Für uns ist Warten angesagt: Kein Problem – Sonnenmilch auf die Brücke!

Schon vor der nächsten Schleuse in Canow (MHW-km 9,7) das gleiche Spiel, doch wir haben keine Eile und genießen die sommerliche Stimmung. Generell sollte man im Juli und August bei der täglichen Törnplanung etwa eine Stunde pro Schleuse einplanen, um auf der sicheren Seiten zu sein. Mal geht es schneller, mal dauert es aber auch doppelt so lange, besonders am Wochenende.

Auf dem Pälitzsee verlassen wir die Müritz-Havel-Wasserstraße und richten den Bug auf die Rheinsberger Gewässer im Süden. Die Stadt Rheinsberg an ihrem Ende ist gleichzeitig unser Tagesziel. Der schmale Hüttenkanal führt uns zunächst zur Schleuse Wolfsbruch bei km 2,7. Wir passieren die gleichnamige Marina mit ihrem Hafendorf (Service: Strom und Wasser am Steg, Fäkalien- und Chemietoilettenentsorgung, Slipanlage, Travellift (25 t), WLAN, Bootstankstelle mit Diesel und Super, Restaurants, Tel. 033921-887 11), den Tietzowsee und den Schlabornsee.

 

 

Abendstimmung über Schloss Rheinsberg und dem Greinericksee

Abendstimmung über Schloss Rheinsberg und dem Greinericksee

Direkt am Rheinsberger See befindet sich die Einfahrt zur weitläufigen Anlage des Hafendorfes Rheinsberg, unübersehbar Dank seinem großen rot-weißen Leuchtturm – eine echte Landmarke, wenn das hölzerne Bauwerk auch nur der schönen Aussicht dient und nicht befeuert ist. Wir wollen jedoch noch ein Stück weiter, und zwar direkt in die Stadt; die liegt am östlichen Ufer des Grienericksees, keine zwei Kilometer südlich. Doch der dortige Stadthafen, die Marina Rheinsberg (Service: Strom und Wasser am Steg, Fäkalien- und Chemietoilettenentsorgung, Kran (10 t), Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten (400 m) Tel. 033931-393 90) ist bereits voll belegt. Da kann man nichts machen! Wir wenden und fahren das kurze Stück zurück zum Hafendorf Rheinsberg, das über ein eigenes, großzuügiges Hafenbecken für Gastlieger mit längsseitigen Liegeplätzen verfügt.

Service: Strom und Wasser am Steg, Fäkalien- und Chemietoilettenentsorgung, Slipanlage, Kran (20 t), Bootsservice, Restaurants, Kleiner Shop, Einkaufsmöglichkeiten in Rheinsberg (ca. 1,6 km) Tel. 033931-805 45.

Das Hafendorf mag mit seinem großem Hotelgebäude und den bunten Ferienhäusern im nordeuropäischen Stil vielleicht etwas künstlich wirken, Liegeplätze und Versorgung sind jedoch topp. Der Weg nach Rheinsberg selbst führt durch Wald und zum großen Teil am Ufer entlang, ein schöner Spaziergang, an dessen Ende man sich mit einem Abendessen im Ratskeller (Markt 1) belohnen kann; der liegt zwar oberirdisch, Schmorbraten und Zanderfilet schadet das jedoch keineswegs!

Der touristische Höhepunkt der Stadt ist aber zweifellos das Schloss, das nach Jahren im Baugerüst inzwischen wieder in ganzer Pracht erstrahlt. Hier, direkt am Seeufer, lebte Preußens Kronprinz Friedrich einige Jahre bis zu seiner Thronbesteigung im Jahr 1740. Später einmal sollte der „Alte Fritz“ dann sagen, es seien seine glücklichsten und unbeschwertesten Jahre gewesen. Da überrascht es nicht, dass er seinen Baumeister Knobelsdorff anwies, beim Entwurf für Schloss Sanssouci in Potsdam das Rheinsberger Schloss als Vorbild zu nehmen.

Von Rheinsberg geht es zunächst zurück nach Norden und zur Müritz-Havel-Wasserstraße, dann jedoch weiter nach Osten auf den Großen Pälitzsee bis zur Schleuse Strasen (MHW-km 2,8). Der ständige Wechsel von schattigen Kanalabschnitten mit ihrem überhängenden Blattwerk und den weiten Seen mit Bootshäusern und schilfgesäumten Ufern sorgen für jede Menge Abwechselung während der Fahrt.

Naturferiendorf Strasen am Ellenbogensee

Naturferiendorf Strasen am Ellenbogensee

Im Ellenbogensee mündet die Müritz-Havel-Wasserstraße in die weiter nördlich beginnende und in Richtung Berlin verlaufende Obere Havel-Wasserstraße. Ihr wollen wir nun noch ein Stück folgen, und zwar bis Fürstenberg. Zwei kleinere Seen (Ziernsee und Röblinsee) und zwei Schleusen trennen uns noch davon, die Schleusen Steinhavel und Fürstenberg. Letztere wurde erst im vergangenen Jahr nach dem vollständigen Neubau wiedereröffnet.

Auch der Fürstenberger Yachtclub verfügt über seinen eigenen Leuchtturm; der fällt zwar deutlich kleiner aus als der in Rheinsberg. Dafür ist er allerdings nicht leer, sondern beherrbergt einen Getränkeausschank – perfekt für einen kühlenden Schluck nach dem Festmachen. Die Steganlage des Clubs selbst liegt am kleinen Schwedtsee, etwa zehn Gehminuten vom Marktplatz auf der Stadtinsel entfernt. Service: Strom und Wasser am Steg, Fäkalien- und Chemietoilettenentsorgung, Slipanlage, Restaurant, Kleiner Shop, Einkaufsmöglichkeiten am Markt (300 m) Tel. 033093-392 06.

In Fürstenberg haben wir den Wendepunkt unseres traumhaften Sommertörns erreicht; in zwei Tagesetappen (unsere letzte Nacht unterwegs verbringen wir in Strasen) geht es zurück nach Buchholz, zur Basis von Yachtcharter Römer. Das Urlaubsparadies liegt im wahrsten Sinne um die Ecke. Also warum in die Ferne schweifen?

Was Skipper wissen müssen

Die Firma Yachtcharter Römer verfügt an seinem fünf Stützpunkten im Großraum Berlin und auf den Mecklenburgischen und Märkischen Gewässern über eine Flotte von insgesamt 40 Motor-yachten, Kajütbooten, Haus- und Bungalowbooten. Dazu kommt ein umfangreiches Serviceangebot für Kunden, vom Online-Törnplaner über den Transfer des eigenen PKWs bei Einwegfahrten bis hin zum All-Inclusive-Paket.

Das Boot - Unterwegs waren wir mit einer Aquanaut Prvilege 1250 AK. Der edle, 12,65 m lange Stahlverdränger war hervorragend gepflegt und für den Törn umfassend ausgestattet. Zu den drei Kabinen mit je zwei Kojen kamen zwei umwandelbare Schlafplätze im Salon, dazu zwei Nasszellen mit Dusche. Zur weiteren Ausstattung gehörten Cabrioverdeck, Bug- und Heckstrahlruder, Ruderstandsanzeiger, CD-Radio und Fernseher. Die Wochenpreise liegen zwischen 1399 und 2399 Euro.

Das Revier - Auf dem gesamten Streckenverlauf gilt die Charterbescheinigung. Das Revier ist für Anfänger absolut geeignet, Berufsschiffahrt kaum unterwegs. Längere Wartezeiten vor den Schleusen müssen in der Haupsaison eingeplant werden.

Die Wasserstraßen im Törnverlauf (von Ost nach West)

  • Müritz-Elde-Wasserstraße: Elb­einmündung bis Buchholz, Länge: 184 km, Schleusen: 17, Höchstgeschw.: 9 km/h (6 km/h bis km 121), 25 km/h*, Durchfahrtsh.: 3,73 m.
  • Müritz-Havel-Wasserstraße: Vom Abzweig aus der Müritz-Elde-Wasserstraße bis zur Oberen Havel-Wasserstraße, Länge:32 km, Schleusen: 4, Höchstgeschwindigkeit: 9 km/h, 25 km/h*, Durchfahrtshöhe: 3,86 m.
  • Rheinsberger Gewässer: Vom Abzweig aus der Müritz-Havel-Wasserstraße bis Rheinsberg, Länge: 13 km, Schleusen: 1, Höchstgeschw.: 9 km/h, 25 km/h*, Durchfahrtshöhe: 3,65 m.
  • Obere Havel-Wasserstraße: Von der Mündung in die Havel-Oder-Wasserstraße bis Neustrelitz, Länge: 97 km, Schleusen: 11, Höchstgeschw.: 9 km/h, 25 km/h*, Durchfahrtshöhe: 3,41 m.

* Höchstgeschwindigkeit gegenüber dem Ufer auf Seen und seeartigen Erweiterungen mit Breite von mehr als 250 m außerhalb des ufernahen Schutzstreifens.

Die Törnetappen

  • Buchholz – Waren: 32 km
  • Waren – Mirow: 36 km
  • Mirow – Rheinsberg: 29 km
  • Rheinsberg – Fürstenberg: 34 km
  • Fürstenberg – Strasen: 17 km
  • Strasen – Buchholz: 38 km
  • Gesamt: 186 km