Törn-Bericht: Müritz Urlaub mit dem Boot – Eine Müritztour im September

Mit dem Hausboot über die Müritz bis nach Plau am See – eine teilweise stürmische Tour durch die spätsommerliche Naturlandschaft der Mecklenburgischen Seenplatte

Müritz Tour im SeptemberSeit einigen Jahren sind wir begeisterte Besucher der Mecklenburgischen Seenplatte. Weite Teile haben wir per Fahrrad bereist und viele erholsame Stunde an den Seeufern verbracht. So manches Schiff begegnete uns, und in uns entstand der Wunsch, die Mecklenburgische Seenplatte einmal an Bord eines Hausboots zu erkunden. Diese andere Perspektive, vom Wasser aus die unberührte Natur zu entdecken, reizte uns sehr. An der Müritz in Buchholz entdeckten wir den Anbieter "Yachtcharter Römer".

Für unsere Tour erhielten wir eine Succes 1150 mit Namen "Ariba". Diese komfortable Yacht mit drei Schlafkabinen und gut ausgestatteter Küche, WC und Dusche gefiel uns sofort, und bei diesem großen Raumangebot konnten auch Freunde mit uns reisen. Nun gingen wir auf Tour rund um die Müritz und gelangten fast bis zum Plauer See.

Als wir mit unserem Gepäck und dem Proviant am Charterbetrieb ankamen, stand unser Schiff schon bereit. Ein freundlicher Mitarbeiter wies uns in den Umgang mit der Motoryacht und in das Revier ein. Nach einer kurzen Probefahrt war klar: Mit diesem gut handhabbaren Schiff werden wir keinen Schotbruch erleiden und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben. Wir stachen euphorisch bei Regen und kräftigem Wind in See. So ging es über Müritz und Kölpinsee. Am Abend verfolgten wir gespannt den Wetterbericht: Es sollte besser werden. Der Anblick einer rot untergehenden Sonne unterstrich diese optimistische Prognose. Allerdings hatte es auch seinen eigenen Reiz, die Unbilden der Natur zu erleben und dabei die Formationen der Wolkenlandschaften zu bewundern.

Malchow

Ein gemütliches Frühstück an Bord stimmte uns auf das weitere Bordleben ein, und gegen Mittag hieß es „Leinen los“. Unser Ziel hieß Malchow. Durch den Göhrener Kanal ging es in den Fleesensee, dann in den Malchower See. Nach zwei Stunden Fahrt machten wir am Wasserwanderrastplatz Malchow fest, um Einkäufe zu erledigen und schön essen zu gehen. Der anschließende Stadtbummel führte uns zu der Attraktion von Malchow: die Drehbrücke.

Zu jeder vollen Stunde wird die Straße gesperrt, und der Landverkehr muss warten, während sich die Brücke seitlich wegdreht, sodass alle größeren Schiffe passieren können. Es ist amüsant zu beobachten, wie sich die Boote beidseitig vor der Brücke sammeln und ihre Schleifen ziehend ein wartendes Knäuel bilden, das sich dann Schiff für Schiff wieder auflöst. Tags darauf mussten wir uns selbst in das Warteknäuel einreihen, um die Drehbrücke zu passieren.

Plau am See

Die Fahrt über den Plauer See war ziemlich stürmisch, und es bauten sich schon kleine Wellen auf. Doch unsere „Ariba“ blieb sauber auf Kurs und durchpflügte das Wasser mit ihrem schnittigen Bug. Ganz entgegen unserer Gewohnheit zogen wir bei Sturm nicht den Kopf ein, sondern boten der Natur die Stirn, denn auf unser Boot war Verlass.

Die Sonne hatte ihren Zenit weit überschritten, als wir in Plau am See im Hafen „Wasserwanderrastplatz“ anlegten. Eine weitere Brückenattraktion entdeckten wir in diesem sehenswerten Städtchen: die Plauer Hubbrücke – das Tor zur Müritz-Elde-Wasserstraße. Alte Fachwerkhäuser säumen den Kanal, der den Wasserweg bis nach Schwerin oder zur Elbe eröffnet. Im Ort selbst haben wir viele hübsch restaurierte Fachwerkhäuser bewundert, über die sich trutzig die alte Kirche erhebt. Mit ihrem Turm, dessen Spitze ein bezauberndes Panorama über Wasser und Wald bietet, ist sie das höchste Bauwerk der Stadt. Wir beschlossen, im Hafen zu übernachten und den Tag bei einem gepflegten Lübzer Pils, das von hier aus nur wenige Kilometer stromabwärts gebraut wird, ausklingen zu lassen.

Die Sonne lachte am Morgen und lud zu einer Seerundfahrt über den Plauer See. Wir versorgten uns mit frischem Fisch aus der Fischerei Plau und Frühstücksbrötchen für den nächsten Morgen. Dann ging es los. Der Plauer See ist groß, und wir schipperten gemächlich erst südlich, dann nördlich am Ufer entlang, wo wir bei Wendorf einen schönen Anleger und auch eine Fischerei entdeckten. Das nahe Fischrestaurant ist empfehlenswert und lohnt einen Besuch. Bald fanden wir einen Ankerplatz für die Nacht.

Jabelscher See

Nach einer ruhigen sternenklaren Vollmondnacht erfrischte uns am Morgen ein Bad im klaren Wasser des Plauer Sees. Da wir noch die Ufer der Müritz erkunden wollten, wurde es für uns Zeit, den Rückweg anzutreten. Im Kölpinsee hielten wir uns links, um wieder in die schmale und flache Durchfahrt einzutauchen, die diesen mit den Jabelschen See verbindet. Während wir ins dichte Grün des Damerower Werders abtauchten, zog ein großer Seeadler seine majestätischen Kreise. Das Schöne des Jabelschen Sees sind seine ruhigen Ankerbuchten. Obwohl der See recht klein ist, reicht er stellenweise bis zu dreißig Meter tief und hat steil anlaufende Ufer. Mit dem Tiefenmesser an Bord wurde dieses Manöver zum Kinderspiel.

Röbel/Müritz

Bevor wir tags darauf in Richtung Röbel aufbrachen, statteten wir dem Damerower Fischer noch einen Besuch ab. Über Kölpinsee und Reeckkanal ging die Fahrt bis in die Binnenmüritz. In Waren (Müritz) machten wir nochmals Halt. Wir bummelten durch die belebte Altstadt mit ihrem maritimen Flair. Der Blick auf die Uhr mahnte uns zur Eile – wir wollten noch die halbe Müritz überqueren. Entlang der grünen Betonnung wurde der Kurs festgelegt, und schon bald tauchten steuerbords die beiden Kirchturmspitzen von Röbel im leichten Dunst auf. Wir drehten eine Runde vor der Kulisse der Stadt und entschieden uns dann, im Wasser-Service-Center anzulegen. Wir reichten dem Hafenmeister unser Tau, und er half beim Anlegen – so waren wir schnell festgemacht.

Ein strahlend blauer Morgenhimmel kündete von einem warmen Sommertag. Unsere kleine Erkundungstour durch Röbel führte uns zum Kirchturm. Mehrere Freunde hatten uns von dem traumhaften Müritzpanorama vorgeschwärmt, das man von dort erblicken sollte. Tatsächlich lohnte es sich, den Turm erklommen zu haben, denn die Aussicht über die Müritz bis zum Horizont, der in der Ferne verschwimmt, ist wunderbar.

Buchholz

Dann starteten wir zu unserer letzten Etappe, die uns über die Müritz, den Müritzarm und den Müritzsee bis nach Buchholz führte, wo wir am späten Nachmittag ankamen. Es war unsere letzte Nacht auf dem Boot, denn die Rückgabe der Yacht war für den nächsten Vormittag vereinbart. Zusammen mit uns kamen weitere Charterboote im Hafen an. Einigen waren wir schon einmal auf unserer Fahrt begegnet, so kamen wir rasch ins Plaudern und Fachsimpeln. Nach dem Frühstück beim Hafenmeister auf der Terrasse mit einem letzten Blick auf die Marina Buchholz traten wir die Heimreise an. Viele schöne Eindrücke nahmen wir von der unberührten Natur und der Stille mit nach Hause.

Autorin: Stefanie Jost.

Text entnommen aus: Seenland 2007 (www.magazin-seenland.de)