Zurück zum Wasser – Drei Monate Leben auf einem Hausboot
„Am Wasser zu leben heißt, sich täglich an den Ursprung zu erinnern.“
– John F. Kennedy
Mit diesen Worten im Kopf begann für mich, Magdalene (32), meinen Freund Alexander (34) und unseren Hund Topaz (5) ein neues Abenteuer – ein neuer Abschnitt in unserem Leben.
Wir entschieden uns bewusst dafür, für drei Monate alles hinter uns zu lassen und auf ein Hausboot zu ziehen. Kein Urlaub. Kein Wochenendtrip. Sondern Leben. Auf dem Wasser.
Unser neues Zuhause hieß Kormoran 940 „Hilde“ und lag bei Kuhnle-Tours an der Mecklenburgischen Seenplatte. Ein Ort, an dem Wasserstraßen, Wälder und Himmel ineinanderfließen – und an dem Zeit plötzlich eine andere Bedeutung bekommt.
Ankommen – unser schwimmendes Zuhause
Langzeitmiete bei Kuhnle-Tours bedeutet, für Wochen oder Monate auf dem Wasser zu leben – mit allem, was dazugehört. Die Boote sind vollständig ausgestattet, fast wie kleine Wohnungen: Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnbereich. Uns fehlten nur Kleidung, persönliche Dinge und Lebensmittel, die wir im Dorf besorgten.
Beim Check-in wurden wir herzlich begrüßt. Bezogene Betten erwarteten uns, Hand- und Badetücher lagen kunstvoll gefaltet bereit, in der Küche wartete eine kleine Grundausstattung. Dazu kamen unsere gebuchten Extras: ein WLAN-Router fürs Arbeiten, zwei SUPs und ein Tischgrill für lange Abende. Nach der theoretischen und praktischen Einweisung – inklusive Charterschein – war Alexander offiziell Kapitän unseres schwimmenden Zuhauses. Währenddessen erkundete Topaz neugierig jedes Eck der „Hilde“.
Am Abend aßen wir im Captain’s Inn im Hafen – und fielen später erschöpft, glücklich und voller Vorfreude in die Betten.
Der erste Morgen – und der erste Abschied vom Steg
Am nächsten Morgen war der Hafen bereits lebendig. Motoren brummten, Leinen wurden gelöst, Möwen kreisten. Auch wir frühstückten kurz, lösten die Leinen und machten uns auf den Weg zu unserer ersten Bucht.
Wir fuhren den Müritzarm entlang, Richtung Buchholz, bis wir einen stillen Ort fanden: eine kleine Bucht, umgeben von Wald, nur das leise Plätschern des Wassers und der Wind in den Blättern.
Hier wollten wir bleiben. Zumindest für den Anfang. Wir packten aus, richteten uns ein, verteilten Kleidung in die Schränke, Lebensmittel in die Fächer. Es fühlte sich an wie ein Umzug – nur sanfter. Langsamer.
Dann zogen wir unsere Badesachen an und sprangen gemeinsam ins Wasser. Ich ließ mich treiben, hörte Vögel, Blätter, Wellen. Unser neuer Garten war flüssig, weit und still.
Alltag auf dem Wasser – Arbeit, Ruhe und kleine Rituale
Schon am ersten Tag zeigte sich, was dieses Leben besonders macht:
Nach dem Mittagessen – Nudeln mit Tomatensoße, gekocht von Alexander – arbeiteten wir beide im Homeoffice. Dank des mobilen WLANs blieb die Verbindung stabil, während draußen die Natur vorbeizog. Topaz meldete sich am Nachmittag, und wir paddelten mit dem SUP ans Ufer. Ein Spaziergang im Wald, ein tobender Hund, der Geruch von Sommer – und dann zurück zum Boot.
Die Tage danach – Leben in Bewegung
Die Wochen vergingen in einem Rhythmus, den wir nie kannten:
Wir beobachteten Regatten auf der Müritz, ließen den Tag am Bug sitzend ausklingen.
Wir sahen Feuerwerke der umliegenden Sommerfeste, die sich im Wasser spiegelten.
Wir lagen nachts an Deck, zählten Sterne und wünschten uns etwas, als eine Sternschnuppe über den Himmel zog.
In der kleinen Bootsküche backten wir einen Geburtstagskuchen, lachten über Mehl auf dem Boden und bestellten an einem Abend einfach Pizza an den Steg.
Wir arbeiteten, lebten, kochten, planten – ganz normal und doch vollkommen anders.
Wir fuhren durch Schleusen, erkundeten Seen und kleine Flüsse, machten Rundfahrten über die kleine Müritz, ließen uns treiben und kehrten immer wieder in unsere vertraute Bucht zurück.
Jeder Tag begann und endete am Wasser.
Living on the Water – ein anderes Leben
Leben auf einem Hausboot bedeutet nicht Urlaub – es bedeutet Entschleunigung.
Man lebt näher an der Natur, näher an sich selbst. Man hört wieder auf die kleinen Dinge: Wind, Wasser, Licht. Man verliert Zeit – und gewinnt sie gleichzeitig zurück.
Nach drei Monaten wussten wir:
Das Wasser vergisst nicht. Und wir werden dieses Leben auch nicht vergessen.


