Vorfahrtsregeln – Wer muss ausweichen?

Vorfahrtsregeln

Käptn Kuddel gibt Tipps zur Bootspraxis

In diesem Beitrag soll es um Vorfahrtsregeln geben, also um einige der wichtigsten Regeln, die es bei einer Bootsreise zu beachten gilt. Sie zu kennen ist immens wichtig, sie anzuwenden eine Selbstverständlichkeit. Zum Glück sind viele Vorfahrtsregeln an die Regeln im Straßenverkehr angelehnt und somit leicht zu verinnerlichen.

Die einfachste Regel ist die, immer rücksichtsvoll und aufmerksam zu sein. Als Bootsurlauber hat man schließlich Zeit und muss nicht hetzten. Deswegen lassen wir denen, die beruflich auf dem Wasser unterwegs sind schon mal den Vortritt. Bei den Freizeitkapitänen untereinander kommt es dann auf die Antriebsart an: also Muskel-, Wind- oder Motorkraft. Und bei gleichrangigen Fahrzeugen kommen schließlich Regeln ins Spiel, wie man sie ähnlich aus dem Straßenverkehr kennt. Aber genug der Vorrede, lassen Sie uns beginnen.


1. Sportboote und Berufsschifffahrt

Vorfahrtsregel 1: Sportboot & Berufsschiffahrt

Sportboote sind Kleinfahrzeuge (Fahrzeuge unter 20 m Länge). Die Berufsschifffahrt hat grundsätzlich Vorfahrt, das heißt Sportboote aller Art müssen diesen Schiffen ausweichen. Ausweichen bedeutet grundsätzlich, dass man am Heck des Schiffes vorbeifährt, welches Vorrang hat.

Zur Berufsschifffahrt gehören z. B. Fahrgastschiffe, Polizei, Feuerwehr und Rettungsschiffe, aber auch Fracht- und Bergungsschiffe sowie Arbeitsschiffe wie Baggerschiffe, Schlepper und Eisbrecher. Auch kleinere Kreuzfahrtschiffe sind inzwischen vermehrt auf Binnenrevieren unterwegs und gehören zur Berufsschifffahrt.


2. Motor- und muskelbetriebene Sportboote

Vorfahrtsregel 2: Sportboot & muskelbetriebenes Sportboot

Motorbetriebene Sportboote, nennen wir sie der Einfachheit halber Motorboote, müssen muskelbetriebenen Sportbooten Vorfahrt gewähren. Zu diesen gehören z. B. Ruderboote, Kanus, Kajaks, Falt- und sonstige Paddelboote. Auch hier gilt, dass das Ausweichen in Richtung Heck des anderen Bootes erfolgen muss.

In jedem Fall sollte der Schiffsführer des Motorbootes gegenüber den meist kleineren und wackligen Booten besondere Rücksicht üben und das Tempo entsprechend drosseln. Bei geringerem Tempo reduziert sich nämlich der vom Motorboot erzeugte Wellenschlag, der sonst zum starken Schaukeln und im Extremfall zum Kentern von kleinen Booten führen kann.


3. Motorboot und Segelboot

Vorfahrtsregel 3: Motorboot & Segelboot

Motorboote müssen Segelbooten, die unter Segeln fahren, Vorfahrt gewähren. Das Ausweichen erfolgt wie gewohnt in Richtung Heck. Hat ein Segelboot keine Segel gehisst, sondern fährt unter Motor, gilt es selbst auch als motorbetriebenes Boot und muss sich gegenüber anderen Motorbooten an die entsprechenden Vorfahrtsregeln halten.


4. Motorboote unter sich

Begegnen sich zwei gleichrangige motorbetriebene Sportboote, sind vier Grundregeln einzuhalten:

4.1 Bei Begegnung weichen beide Motorboote jeweils nach Steuerbord (rechts in Fahrtrichtung gesehen) aus.

Vorfahrtsregel 4.1: Sportboote bei Begegnung

4.2 Kreuzen sich die Fahrtrichtungen zweier Motorboote, hat der von rechts Kommende Vorfahrt.

Vorfahrtsregel 4.2: rechts vor links

4.3 Überholt ein Motorboot ein anderes, muss der Überholende nach rechts oder links ausweichen und den Überholvorgang in ausreichendem Abstand zum Überholenden durchführen. Vergewissern Sie sich also vor dem Überholen, dass kein Gegenverkehr herrscht und dass keine Einengungen oder Hindernisse auf der Strecke Ihr Manöver gefährden.

Vorfahrtsregel 4.3: Überholen

4.4 Bei Häfen hat derjenige Vorfahrt, der aus dem Hafen heraus fährt gegenüber dem, der in den Hafen hinein fahren will. In diesem Fall gilt rechts vor links nicht.

Vorfahrtsregel 4.4: Hafenausfahrt

Generell gilt auf allen Wasserstraßen wie auch im Straßenverkehr das Rechtsfahrgebot. In Kanälen und schmaleren Gewässern wird meist mittig gefahren. Begegnen sich zwei Motorboote, müssen beide nach rechts ausweichen. Nach Möglichkeit hält man einen seitlichen Mindestabstand von 2 bis 3 Metern.

Brücken und Engstellen

Bei schlecht einsehbaren Engstellen oder Brückendurchfahrten sollten Sie vor dem Befahren ein Schallzeichen geben. Fahren Sie langsam an die Engstelle heran und achten Sie auf Schallzeichen entgegenkommender Boote. Berufsschifffahrt hat auch hier uneingeschränkt Vorrang. Ist es nicht möglich in ausreichendem Abstand aneinander vorbei zu fahren, stoppen Sie noch vor der Engstelle durch Einlegen des Rückwärtsganges. Um die Manövrierfähigkeit des Bootes zu erhalten empfiehlt es sich, den Rückwärtsgang eingelegt zu lassen, bis sich eine langsame Rückwärtsfahrt einstellt. Achten Sie dabei auf jeden Fall auf nachfolgenden Verkehr.

Bei Brücken regeln meist Beschilderungen die Durchfahrtsregeln mit dem Gegenverkehr. Die Bedeutung der verschiedenen Schilder können Sie auf der Seite „Schifffahrtszeichen“ nachschlagen.

Fazit unseres kleinen Kurses

Jeder Schiffsführer muss die Vorfahrtsregeln genau kennen und befolgen, um Kollisionen und Unfälle zu vermeiden. Der wichtigste Hinweis, den wir unseren Chartergästen mit auf den Weg geben ist aber immer, gegenseitige Rücksichtnahme und Vorsicht zu üben. So erleben Sie in jedem Fall einen entspannten Bootsurlaub und kommen sicher in jedem Hafen an.

In diesem Sinne – Ahoi und gute Fahrt, Ihr Käp’n Kuddel.

Käptn Kuddel grüßt

Ein Kommentar zu “Vorfahrtsregeln – Wer muss ausweichen?

  • 16. November 2018 at 19:12
    Permalink

    Ahoi, Käptn Kuddel, gratuliere zum HausbootBlog. Wir sehen uns beim Skippertraining im April…

    Reply

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